Rezension zum Film «Wir töten Stella» von Julian Pölsler

Das verfilmte Drama zur Novelle «Wir töten Stella» von Marlen Haushofer erschien ende 2017 und ist Pölslers zweite Verfilmung eines Buches von Marlen Haushofer

Im Gegensatz zur Erzählung von Marlen Haushofer, die in Deutschland kurz nach dem Zweiten Weltkrieg spielt, befindet sich die Handlung im Film in Österreich ungefähr im Jahr 2015. Ansonsten ist die Handlung im Film stark, der der Novelle angelehnt: Stella, eine 19-jährige junge Frau kommt in eine fremde Familie und wird in dieser ausgegrenzt. Dann kauft Anna, die Ich-Erzählerin, Stella neue elegante Kleider, was die Aufmerksamkeit von Richard, ihrem Ehemann, auf Stella lenkt. Der Erzählerin ist die Schwäche ihres Mannes für junge Frauen durchaus bekannt. Richard geht dann mit Stella auf Veranstaltungen und hat mit ihr eine Affäre. Schliesslich lässt er Stella fallen und zwingt sie zu einer Abtreibung. Daraufhin wirft sich Stella vor einen Lastwagen und begeht so Selbstmord.

Persönlich irritiert mich der Film sehr, denn er folgt oberflächlich stark der Vorlage, jedoch sind, gewisse, teils entscheidende Details nicht vorhanden. Die Novelle beschreibt metaphorisch die Verhaltensweise der Bevölkerung in Deutschland in den Jahren des Zweiten Weltkrieges, während diese Metapher im Film für den Zuschauer nicht erkennbar wird. Durch den grossen zeitlichen Versatz der Handlung kommen keine Gedanken zum Zweiten Weltkrieg auf, was diese Metapher zunichte macht. Dazu kommt, dass der Film in Österreich spielt.

Das Fehlen dieser Metapher hat zur Folge, dass keine wirkliche Spannung im Film aufkommt. Die Ich-Erzählerin erzählt eine Geschichte, die für den Zuschauer ohne Kontext bleibt.

Gegen Ende des Films, wurde der Film für mich nochmals deutlich merkwürdiger. Den Zuschauern wird klar, was Wolfgang, der Sohn von Anna und Richard, in dieser Zeit als Stella anwesend war, tat. Er stellte zuhause Kameras auf und filmte so das Geschehen im und ums Haus. Diese Situation wurde noch komischer als Anna auf dem Computer ihres Sohns plötzlich begann nach Bildern zu suchen und dabei auf Bilder von überfahrenen Menschen stösst. Sie findet dabei aber auch ein Video, das Zeigt wie sich Richard an Stella vergeht.

Für mich ist nicht erklärbar inwiefern das der Handlung hilft. Denn es unterstreicht nur das was schon lange klar ist und lenkt die Gedanken der Zuschauer noch weiter von der Metapher weg, die hinter der Handlung steckt.

Alles in allem lässt mich der Film ratlos zurück, sodas Ich nicht sagen kann, was der Film mir mitteilen möchte. Dem Film fehlt hierfür eine tiefere Ebene unter der Oberflächenhandlung, wie sie in der Novelle vorhanden ist. Sie wäre also von der Vorlage gegeben, wird aber im Film nicht nutzbar gemacht.

2 Kommentare

  1. Mir gefällt die Genauigkeit mit der du die verschiedenen Themen beschreibst und kritisierst. Ausserdem finde ich gut, dass du über verschiedene Stellen im Film schreibst und diese aus mehreren Blickwinkeln anschaust.
    Ich habe keine Verbesserungsvorschläge.

  2. Eine gute Rezension. Fehlerfreies und schönes Deutsch, die genannten Punkte sind auch sehr nachvollziehbar. Die wichtigsten Dinge werden meiner Meinung nach alle genannt.

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