Wir töten Stella ist eine Novelle der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer, geboren Marie Helene Frauendorfer 1920. Das Buch wurde 1958 veröffentlicht und 2017 von Julian Roman Pölsler verfilmt.
Die Geschichte beginnt aus der Sicht von Anna, einer der beiden Hauptdarstellerinnen. Sie erzählt von Stella, der Tochter ihrer Freundin Luise, welche für einige Monate bei ihrer Familie wohnt. Sie schreibt wie sie selbst, ihr Sohn Wolfang und ihr Mann Richard schuld an Stellas Tod sind und wie es dazu kam. Stella hat eine Affäre mit Richard, welcher sie kurz darauf fallen lässt und zu einer Abtreibung drängt. Sie ist todunglücklich und nimmt sich schliesslich das Leben.
Die Geschichte spielt kurz nach dem zweiten Weltkrieg, etwa zur gleichen Zeit wie die Veröffentlichung des Buches. Es kommt klar die patriarchale Familienstruktur zum Ausdruck, indem Anna Stella nicht hilft, da Richard sie mit Wolfgang erpresst, obwohl sie weiss, was dieser mit Stella macht. Anna hat zu Wolfgang eine ausserordentliche Beziehung, sie hängt sehr an ihm, da sie ihn in Kriegszeiten beschützten musste.
Der Film hingegen spielt in der heutigen Zeit, was für mich einige unpassende Aspekte hat. Die ungewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung erklärt sich mir nicht, was auch damit zu tun hat, dass ich Wolfgangs Figur im Film nicht ernst nehmen kann. Er und Stella können nicht ihre Rollen aus dem Buch verkörpern, wie auch alle anderen Figuren ausser Anna nicht. Anette, Richard und Luise wirken für mich unglaubwürdig und unpassend. Ebenfalls finde ich die Musik, die neuen Kleider von Stella, welche eine wichtige Rolle spielen, und die ganze Darstellung des Films in der heutigen Zeit unpassend. Sie schwächen die Ernsthaftigkeit der Geschichte und damit ihre gesellschaftskritische Aussage. Denn die Geschichte widerspiegelt die gesellschaftliche Situation um den zweiten Weltkrieg herum, dies aber in familiärem Rahmen. Stella steht für das unterdrückte jüdische Volk, Richard für das gewaltausführende Nazi-Regime und Anna für die wissende, aber untätige Bevölkerung. Dies wird sehr gut dargestellt im Buch, jedoch nicht im Film.
Ich hätte mir einiges mehr vom Film erwartet, da die Geschichte an sich eine clever ausgearbeitete Parallele zum Antisemitismus darstellt und literarisch viele interessante Elemente enthält.
Ich finde du hast eine äusserst gelungen Rezension geschrieben, der ich nur beipflichten kann. Mir gefällt besonders, wie du darlegst, welche wichtigen Aspekte der Novelle im Film fehlen.