Rezension zum Buch „Wir Töten Stella“

Die Novelle «Wir töten Stella» wurde im Jahre 1958 von der Wiener Schriftstellerin, Marlen Haushofer geschrieben. Es handelt sich um eine typische nachkriegsliterarische Geschichte, da die Hauptfiguren mit Themen wie der Schuldfrage und der Vergangenheitsbewältigung kämpfen. Die Novelle liest sich wie ein Tagebuch der Protagonistin Anna. Sie ist zweifache Mutter und leidet unter den Strukturen des Patriarchat, mit einem Mann der sie misshandelt, ihr ständig fremd geht und seine ausgenutzte Frau niemals loslassen will. Anna hat widerwillig die Tochter ihrer Kindheitsfreundin Luise, für zehn Monate aufgenommen. Die Unruhe, welche die Stella in die Familiendynamik einbringt wird beim lesen schnell spürbar. Anna hat endlich einen Grund, die wüsten Gefühle, die sie gegenüber ihrem Mann verspürt, aufzuschreiben und man merkt immer mehr, wie verdorben ihre Beziehung mit allen Mitgliedern ihrer Familie und somit auch Stella wirklich ist. Nach dem Richard, ihr äusserst manipulativer Mann, Stella sexuell genötigt hat, verändert sie sich komplett und fällt schlussendlich in ein solch tiefes Loch, dass sie sich von einem Lastwagen überfahren lässt.
Anfangs hat mich diese Novelle gar nicht gereizt, da mir die Geschichte sehr oberflächlich schien und eine eigentümliche Mutter darstellt, die zu weit in ihr Familienleben verwickelt ist, um von ihrer schlimmen Situation zu fliehen. Natürlich ist das ein diskussionswürdiges Thema, jedoch hatte ich mir meine Meinung zu Anna rasch gemacht: Ihr Mann behandelt sie widerlich, sie hat ein unangenehm nahes Verhältnis zu ihrem Sohn, sie ist emotional abweisend gegenüber ihrer Tochter, da sie eine Kopie ihres Vaters ist und Stella ist die Last, die ihr den Rest gibt. Ihr Leiden würde sich auf keine Weise lindern, da sie zu sehr Angst vor ihrem Mann hat und tief in der Schacht des tödlichen Patriarchat steckt.
Mein wahres Interesse für diese Novelle wurde jedoch erweckt, als mir erleutert wurde, dass diese Novelle eine Paralelle zur Lage Deutschlands während dem zweiten Weltkrieg darstellt. Diese Analyse hat für mich sehr viel Sinn ergeben und hat das Buch zugleich spannender und verständlicher gemacht. Mich beschäftigt die Problematik der Schuldfrage im Bezug zum Holocaust seit langem und dieses Buch hat mir, mit dem Einblick in Annas leben, eine neue Perspektive für dieses Dilemma gegeben.

Ein Kommentar

  1. deine Rezension ist ausgezeichnet gelungen! Sie war kurz und knapp, jedoch das Wichtigste wurde erwähnt. Schon wie du die Geschichte zuerst zusammenfasst und nachher noch deine eigene Meinung hinzufügst. Ich finde diese Rezension gehört hinten auf das Buch hin.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert